iconBIT Toucan Duo Plus: Android-Mini-PC im Test

Seit einiger Zeit habe ich ja bereits das iconBIT Toucan Duo Plus bei mir zum Test. Nachdem ich nun in den vergangenen Wochen nur sehr wenig Zeit hatte, folgt nach dem ersten Eindruck nun auch der endlich der Testbericht des Mini-PCs mit Android 4.1.2 Jelly Bean. Die Ausrichtung des Gerätes, das klar für den Einsatz am TV konzipiert wurde, ist klar – kann iconBIT hier aber auch mit einer guten Ausführung punkten?

Unboxing-Video

Spezifikationen und Lieferumfang

Die technische Ausstattung des Toucan Duo Plus liest sich zunächst einmal ganz ordentlich. Der Dual-Core-Prozessor sollte genügend Kraft für das leistungshungrige Android-System geben und mit Version 4.1.2 ist auch eine relativ aktuelle Version vorinstalliert. Dazu wurden auch so einige Ports für USB, HDMI etc. verbaut, was ich klasse finde – weniger gut ist allerdings, dass lediglich USB 2.0 Ports verfügbar sind. USB 3.0 wäre sehr cool gewesen, wenngleich das wahrscheinlich auch den Gerätepreis wieder nach oben gedrückt hätte. Auch die beiliegende Fernbedienung ist ein schöner Teil des Lieferumfangs, durch den sich der Mini-PC leichter bedienen lassen sollte. Im Detail wurde folgendes verbaut:

  • ARM Cortex A9 Dual-Core CPU mit 1,5 GHz
  • 1 GB RAM, 4 GB interner Speicher
  • 4 x USB 2.0
  • SDHC-Kartenslot
  • Android 4.1 Jelly Bean mit iconBIT-Launcher
  • Hardware Full-HD 1080p Video-Decoder
  • Hardware MPEG Audio & Dolby Digita-Decoder
  • Videoausgabe: HDMI 1.4, YPbPr, Composite
  • Audio output: HDMI, SPDIF, Analog-Stereo
  • WiFi 802.11 b/g/n und 10/100M Ethernet
  • Fernbedienung

Hardware und Design

Das Design des Toucan Duo Plus ist mehr zweckmäßig als schön. Der schwarze Klavierlack auf der Frontpartie sieht durchaus hübsch aus und generell mag ich Klavierlack sehr. Der Rest ist in einem matten schwarz gehalten und durch das verbaute Kunststoff sieht das natürlich nicht allzu hochwertig aus, was ich bei dem Preis allerdings durchaus nachvollziehen kann.
Auch die mitgelieferte Fernbedienung ist komplett aus günstigem Kunststoff gefertigt, was man auf jeden Fall merkt. Mir persönlich gefällt so etwas gar nicht. Ich habe generell nichts gegen Kunststoff, aber dann soll das Ganze auch hochwertig verbaut werden – gerade, wenn man das betreffende Gerät ständig in der Hand halten soll. Hier hätte es gerne hochwertiger sein dürfen.
Ein paar nette Details gibt es dennoch zu sehen: Der rote Streifen, der direkt hinter der Frontpartie sitzt und es visuell vom Rest des Gerätes abtrennt. Ein weiterer Pluspunkt ist sicherlich auch das leichte Gewicht, das natürlich der verbauten Materialien wegen so niedrig ist.
Alles in allem sind das aber alles Kritikpunkte, mit denen man rechnen muss, wenn man sich ein günstiges Gerät zulegt. Das ist in keiner anderen Hardware-Kategorie anders und auch Mini-PCs machen hier keine Ausnahme. Im Hinblick darauf kann ich damit insgesamt also ganz gut leben.

Software, Performance und Bedienung

Das eigentliche Highlight soll die Hardware aber gar nicht sein, denn ein Medien-PC sollte vor allem bei der Software punkten und eine spürbare Verbesserung der “TV-Experience” sein. Heutige Smart-TVs glänzen leider oft mit wirren und unnötig komplexen Bedienungskonzepten und auch das Angebot an Apps ist oft mager, da viele TV-Hersteller gerne ihr eigenes Süppchen kochen – gerade deswegen ist beispielsweise der Apple-TV so beliebt.

Eine einfache Rechnung ist hier natürlich, dass man ein solches Gerät mit Android ausstattet, dessen App-Ökosystem inzwischen ja sehr groß ist. Videostreaming-Dienste, wie beispielsweise Watchever, bieten eben Android-Apps an, wodurch das Erlebnis am TV auch verbessert werden könnte. Auch Applikationen zur Nutzung von DLNA sind vermehrt vorhanden – die Software-Voraussetzungen sollten also stimmen.
Im Praxistest stellte sich jedoch heraus, dass diese Rechnung scheinbar doch nicht so einfach ist, wie gedacht. Zum einen verhält sich Android 4.1.2 trotz der Performance-Verbesserungen, die im Rahmen von Project Butter getroffen wurden, nicht immer flüssig, was mich sehr verwunderte. Die Wiedergabe von 1080p-Videos funktioniert dagegen einwandfrei.

Darüber hinaus hat iconBIT einen eigenen Homescreen eingebaut, der der in einer Art Comic-Look gehalten ist und ein Zimmer darstellen soll. Verschiedene Elemente der Darstellung starten hier verschiedene Apps (der Bilderrahmen öffnet beispielsweise die Galerie-App), allerdings ist es nicht vollkommen ersichtlich, welche Elemente als App-Launcher dienen, sodass die ersten paar Minuten pures Ausprobieren sind. Sowohl optisch, als auch funktionell kann ich mich mit diesem Homescreen nicht anfreunden.

Glücklicherweise lässt sich aber auch der Stock-Tablet-Homescreen aktivieren, sodass man nun im Prinzip ein pures Android vor sich hat. Beim Wechseln zwischen den Homescreens bemerkt man aber bereits die Performance-Schwierigkeiten, die das Gerät hat und auch die Navigation ist nicht unbedingt optimal und für die Benutzung am TV ausgelegt. Alternativ kann man aus dem Play Store heraus natürlich auch noch einen anderen Homescreen herunterladen und den Verwenden.
Helfen soll hier die Fernbedienung. Die Bedienung ist hier aber ebenfalls nicht allzu sehr geglückt. Der Mauszeiger bewegt sich sehr zittrig über den Bildschirm, sodass eine einfache und entspannte Bedienung nur schwer möglich ist. Auch muss man die Fernbedienung wirklich sehr stark zum Gerät hin halten, damit die Bewegungen überhaupt erst registriert werden. Will man also etwas schreiben, um beispielsweise eine Webseite im Browser aufzurufen, wird es schnell sehr aufreibend. Prinzipiell empfiehlt sich hier durchgehend die Benutzung von Maus und Tastatur, allerdings möchte zumindest ich das nicht auf dem Sofa machen müssen, wenn ich z.B. einfach auf der Couch liege – darüber hinaus funktionierte in meinem Test keine USB-Maus, weswegen ich auf die Fernbedienung angewiesen war und stellenweise entwickelte auch die Fernbedienung ein Eigenleben.

Der Toucan Duo Plus wird in Sachen Bedienung also nur eine unzureichende Alternative zu mehr oder minder aktuellen Smart-TVs. Dass Fernbedienungen als Mauszeiger funktionieren können, zeigen andere Hersteller, wie zum Beispiel LG, bei ihren Smart-TV-Umsetzungen. Es ist also möglich – hier wurde es aber nicht ansprechend und angenehm umgesetzt.

Auch das vorinstallierte Software-Angebot nervt mich persönlich. Normalerweise bevorzuge ich möglichst Stock-nahe Android-Installationen, bei denen keine dritten Apps von Werk dabei sind. Hier allerdings wünsche ich mir gerade diese. DLNA-Apps sind hier ein für mich offensichtliches Beispiel. Es wäre mehr als sinnvoll gewesen, eine solche App zu integrieren, was allerdings nicht der Fall ist. Man muss sich also viele Dinge selbst aus dem Play Store zusammensuchen, was in Kombination mit der Bedienung bereits nach kurzer Dauer einfach nervt.

Fazit

Insgesamt bin ich vom iconBIT Toucan Duo Plus enttäuscht. Trotz Jelly Bean ist die Performance nicht einwandfrei, sinnvolle Software-Erweiterungen, die gerade bei einem solchem Gerät toll wären, fehlen komplett. Stattdessen wurde ein alternativer Homescreen eingebaut, der ebenfalls alles andere als optimal ist. Ein medienlastiger Homescreen, der mir vorhandene Medien anzeigt und angenehm zu bedienen ist, wäre dagegen eine sehr coole Lösung gewesen. Auch die Fernbedienung enttäuscht durch die zittrige Bedienung.

Sicherlich muss man hier auch bedenken, dass das Gerät lediglich rund 200 Euro kostet und somit recht günstig ist. Trotz alledem würde ich auch preisbewussten Nutzern, die mit Problemen leben können, vom Kauf abraten. Die Mängel sind hier einfach zu gravierend, sodass der Mini-PC auf Dauer seinen Reiz verliert. Das ist sehr schade, da mir die Idee eines Mediengerätes mit Android prinzipiell zusagt, allerdings lässt die Ausführung in dieser Form eben zu wünschen übrig.

Toucan Duo Plus Webseite Toucan Duo Plus bei Amazon

  • Matthias Künzer

    Wenn um pure Medienwiedergabe geht, ist man mit einem Raspberry Pi und XBMC wesentlich besser bedient.

  • moustaki

    warum war das gerät in chip 07/2013 Testsieger? Darum hätte ichs fast gekauft. Danke für deine Kritik!

Kommentarrichtlinien

Kommentare sind immer gern gesehen, allerdings haben wir einige wenige Richtlinien. Wir bitten euch diese einzuhalten, um eine möglichst niveauvolle und respektvolle Diskussion zu den Themen zu gewährleisten. Folgendes gibt es beim Kommentieren zu beachten:

  • Achtet auf einen sachlichen und respektvollen Ton
  • Die Meinung anderer ist stets zu respektieren
  • Beleidigungen werden nicht geduldet, wenn sie gegen geltendes Recht verstoßen
  • Links zu anderen Webseiten/Artikeln/Beiträgen sind erlaubt, sofern sie zum Thema passen (keine SEO-Links)
  • Keywords als Kommentatorname sind nicht erlaubt
  • E-Mail-Adressen sind freiwillige Angaben