Feedly: Meine Alternative zum Google Reader

Der Aufschrei war groß und er ist es immer noch: Google wird den wohl besten Feed-Reader zum ersten Juli einstellen. Das war sicherlich abzusehen, da die Gerüchteküche dahingehend seit Monaten brodelte und trotzdem traf es alle wie ein Blitz. Viele werden dadurch eines wichtigen Arbeitswerkzeuges beraubt und so ist es auch bei mir: Meine Quellensuche könnte ich mir ohne einen vernünftigen Feed-Reader, den ich mit allen Systemen nutzen kann, nicht vorstellen. Aktuell befinden sich über 150 Blogs und News-Seiten in meinem Reader und ich könnte mir bei weitem nicht vorstellen, diese manuell oder über Twitter abzurufen. Der Google Reader war also genau das richtige Werkzeug und nun wird er zu Grabe getragen.

Einfach die Arbeit einstellen und auf die nächste Sintflut zu warten, ist aber natürlich auch nicht möglich. Es muss also eine Alternative her. Welche Features benötige ich persönlich da? Zum Einen muss Übersicht geboten sein – also eine einfache Listenansicht. Magazin-Stile, wie Flipboard, Zite und Co. sie bieten ist schön und gut, wenn man stöbern und Zeit totschlagen will, wird aber dann unpraktisch, wenn der Arbeitsablauf effizient sein soll. Generell sollte das User Interface möglichst schlicht sein und nicht versuchen, allzu “fancy” rüberzukommen, da es auf Dauer einfach nur ablenkt.

Darüber hinaus ist es ein Muss, dass ich auch mobil auf meine Feeds zugreifen kann. Mittlerweile lese ich die meisten Feeds auf dem iPad mit Mr. Reader und eine fehlende Möglichkeit, dies weiter zu tun, wäre tödlich für mich.
Nimmt man all das in Betracht, wird es im Feld der alternativen Reader sehr dünn. Einen Dienst, der wirklich zu 100% genau das bietet, was ich hier fordere, gibt es sogar nicht einmal. Man muss hier also Kompromisse eingehen. Will man diese eingehen, dürfte Feedly die derzeit beste Alternative sein.

Feedly ist mehr oder minder eine Art Aufsatz für Google Reader. Das äußert sich dahingehend, dass der Login über den Google-Account erfolgt und anschließend alle abonnierten Feeds und erstellten Kategorien übernommen werden. Der Import der eigenen Daten ist also denkbar einfach. Darüber hinaus haben die Entwickler bereits bekannt gegeben, dass sie mit Normandy an einer Kopie der Google-Reader-API auf Basis der Google App Engine arbeiten, sodass der Übergang am ersten Juli fließend vonstatten gehen soll. Insofern ist man hier also schonmal sicher.

Genutzt werden kann Feedly am Desktop über die eigenen Browser-Apps, die es für Chrome, Firefox und Safari gibt und auch eine einfache Listenansicht kann genutzt werden. Inzwischen ist die Web-Oberfläche sogar recht minimalistisch, sodass man es da aushalten kann. Bis vor nicht allzu langer Zeit prangten in der Sidebar beispielsweise noch Amazon-Einblendungen und mehr. Umso überraschter war ich, als ich die Chrome-App gestartet habe und in einer nutzbaren Oberfläche landete.

Auch mobile Applikationen für iOS und Android stehen zur Verfügung. Hier allerdings fangen die Kompromisse an, denn eine einfache Listenansicht ist beim Tablet nicht verfügbar, sondern nur in der Smartphone-Ansicht. Beim Tablet muss man also auf die verschiedenen Magazin-Stile zurückgreifen, die zwar sehr hübsch wirken, allerdings wenig effizient sind. Ich persönlich bin davon überzeugt, dass Feedly hier nachbessern wird, aber aktuell ist das einfach nicht gegeben.
Ich würde mir ebenfalls wünschen, dass Feedly nach und nach ein App-Ökosystem für Feedly aufbaut. Apps wie Press und Mr. Reader zeigen, wie gut 3rd-Party-Apps sein können und wie sehr sie einen Dienst bereichern. Das ist für mich persönlich kein Muss-Kriterium, da ich momentan einfach nur einen funktionierenden Dienst suche, wäre aber für die Zukunft eine tolle Neuerung.

Alternativen zum Google Reader gibt es also – allerdings nur mit Kompromissen. Auch, wenn die Aufregung derzeit noch groß ist und auch ich mich dem anschließe, erkennt man mit kühlem Kopf, dass die Welt nicht untergehen wird. Wenn der Plan der Feedly-Macher aufgeht und sie auch mit dem zu erwartenden Nutzerstrom umgehen können werden, gibt es eine gute Basis, auf der man aufbauen kann. Der Casus Knacktus ist hier aber auf jeden fall das “wenn”. Noch sind wir Feed-Leser nicht “gerettet”, aber es gibt Licht am Ende des Tunnels.

Feedly.com Feedly für Firefox

feedly
Download @
Google Play
Entwickler: Feedly Team
Preis: Kostenlos


feedly Mini
Download @
Chrome Web Store
Entwickler: Unbekannt
Preis: Kostenlos

  • http://picomol.de/ Valentin

    Feedly ist ja ganz nett, allerdings frage ich mich, warum es keine „richtige“ Web-Oberfläche gibt. Warum muss ich dafür eine Erweiterung instsallieren, wenn es sich bei der Oberfläche offensichtlich nur um eine einfache Internetseite handelt? Das wird zum Beispiel zum Problem, wenn ich von einem anderen PC auf meine Feeds zugreifen möchte.

    • http://CocasBlog.de/ Charles Engelken

      Das stimmt, zumal es früher (2011 oder so) auch eine einfach zu erreichende Web-App gab. Vielleicht kommt das ja irgendwann nochmal zurück…

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