RSS-Reader FeedBin im Kurztest: Die bessere Feedly-Alternative?

Nachdem Google die Einstellung des eigenen RSS-Readers angekündigt und natürlich auch durchgezogen hat, sind die meisten Nutzer wohl zu Feedly gewechselt. Die versprachen das wohl beste Gesamtpaket, es wurden laufend aus Google Reader bekannte Funktionen nachgereicht und eine Weboberfläche aus der Taufe gezogen.

Alles gut also? Nun, nicht ganz – jedenfalls, wenn man die Stimmen vieler Nutzer anhört, die z.B. über ständige Probleme beim Synchronisieren der Feeds klagen. Meine beiden geschätzten Bloggerkollegen René und Marcel sind beispielsweise davon betroffen. Marcel zog daraus unlängst seine Konsequenz und nutzt nun FeedBin.
Wenngleich ich persönlich keine Probleme oder Verzögerungen bei Feedly feststellen konnte (worauf ich zuletzt auch verstärkt geachtet habe), scheint FeedBin als Alternative einige Freunde zu finden – auch Frank setzt beispielsweise auf FeedBin. Für mich also Grund genug, Feedbin auch mal auszuprobieren und hier meine Erfahrungen in einem (wohlgemerkt) Kurztest weiterzugeben.

First things first: Registrieren und Einrichten

Bevor es ans Eingemachte geht, will Feedbin zunächst natürlich erstmal eingerichtet werden. Das schlägt schonmal aufs Portemonnaie, da die Nutzung des Dienstes drei US-Dollar pro Monat oder alternativ 30 US-Dollar pro Jahr kostet. Als Zahlungsmethode wird des Weiteren lediglich die Kreditkarte akzeptiert – weitere Möglichkeiten fehlen (zumindest bisher) komplett.

Was mit Prepaid-Kreditkarten, wie Kalixa und Co. keinen Beinbruch mehr darstelle sollte, ist in der Realität leider noch immer nicht der Fall – noch immer verwehren sich viele Nutzer komplett gegen den Einsatz von Kreditkarten. Nun gut, die Einstellung dieser Nutzer hat mit dem Dienst als solches nichts zu tun, aber optimalerweise sollte Feedbin in Zukunft auch weitere Zahlungsmethoden ermöglichen.

Nach der Registrierung wollen natürlich noch die RSS-Feeds, die man zuvor bereits im anderen Feed-Reader abonniert hatte, importiert werden. Idealerweise hat man für diesen Zweck ein Backup der Google-Reader-Daten, andernfalls erlaubt z.B. auch Feedly seit kurzem den Export der Daten als OPML-Datei. Der Import dieses Datenbestandes stellt an sich kein Problem dar und kann über die Einstellungen vorgenommen werden.

Hier aber trat bei mir bereits das erste Problem auf, denn zumindest bei mir dauerte der komplette Import aller Daten knapp einen Tag. Zunächst wurde nämlich nur ein Teil der Daten aus der OPML-Datei übertragen – an einem Punkt wurde stets abgebrochen. Wundersamerweise waren dann aber am nächsten Tag fast alle Daten vorhanden, einige wenige Abonnements fehlen mir aber weiterhin. Das ist sicherlich ein Einzelfall, trotzdem rechnet man damit nicht unbedingt, was dann im Fall der Fälle sehr nervig ist.

Die Weboberfläche

feedbin 01

Nach diesem ersten Fauxpas galt die Aufmerksamkeit anschließend der eigentlichen Weboberfläche des Feed-Readers. Die Oberfläche kommt sehr minimalistisch und reduziert daher, wenig Bling-Bling und keine grellen Farben – Grautöne und Dunkelblau herrschen hier auf sehr angenehme Art und Weise.
Das Layout gliedert sich in eine linke Toolbar, sowie drei Spalten. In der Toolbar kann man auswählen, ob man alle oder nur ungelesene Beiträge angezeigt bekommen möchte, ebenso lassen sich die Ordner, die bei FeedBin als Tags behandelt werden, verwalten, alle Feed-Items können direkt als gelesen markiert werden und Abonnements lassen sich direkt löschen.

Daneben gibt es die drei Spalten, in denen Tags und alle Feeds angezeigt werden, daneben die jeweils dazugehörigen Beiträge und rechts wird der jeweilige Beitrag dargestellt. Wie gesagt: Optisch ist das alles sehr nett und auch das Schriftbild geht in Ordnung. Dennoch gibt es bei der Artikelansicht ein ganz essentielles Problem, da für die Beiträge keine maximale Zeilenlänge vorgegeben wird. Das ist ein unheimliches Problem, wenn man seine Feeds oft im Browser liest, wie ich z.B. – es stört den Lesefluss ungemein, wenn die Zeilen einfach viel zu lang sind, Informationen werden langsamer aufgenommen und verarbeitet, weswegen alles ein wenig länger dauert.

Woran es mir des Weiteren fehlt, sind ausgiebigere Möglichkeiten zum Teilen von Beiträgen. Ab Werk ist dafür aktuell lediglich Readability dabei. Zwar stellt der Entwickler eine Vorlage zur Verfügung, auf deren Basis es theoretisch möglich ist, Beiträge zu jedem möglichen Netzwerk/Dienst zu teilen, allerdings stelle ich mir hier die Frage, wer sich wirklich die Mühe macht, bei einem Bezahldienst jeden einzelnen Dienst in Handarbeit einzupflegen – oftmals will man (gerade, wenn man zahlt) ein fähiges Gesamtprodukt haben, das “out of the box” funktioniert.



Ebenfalls fehlt bisher auch eine Suchfunktion für die Artikel – wobei man hier natürlich fairerweise sagen muss, dass fast kein RSS-Reader so etwas bietet. Feedly wird hier mit den Pro-Accounts vorerst sicherlich weitgehend ein Alleinstellungsmerkmal haben.

Was ich FeedBin aber definitiv zugute halten muss, ist die Geschwindigkeit. Einerseits ist die Performance der Web-App einwandfrei und man bewegt sich schnell durch den Reader, andererseits werden Feeds auch ausgesprochen fix abgeglichen. Auch hiermit haben Feedly-Nutzer vermehrt Probleme, allerdings kann ich für mich auch hier keine sonderlichen Auffälligkeiten feststellen. Google Reader benötigte damals zumeist zwischen 20 bis 60 Minuten, bis neue Artikel im Reader waren, Feedly ist da (bei mir!) definitiv nicht langsamer. FeedBin allerdings ist im Vergleich dazu um einiges fixer. Bisher dauerte es bei mir (wenn überhaupt) fünf Minuten, bis meine abonnierten Feeds auf dem aktuellsten Stand waren. Hier kann FeedBin also absolut und sicher punkten.

FeedBin und 3rd-Party-Apps

Ebenso wichtig, wie die Webapplikation, ist aber natürlich auch die Frage, inwieweit sich FeedBin mit (mobilen) Apps nutzen lässt. Größtenteils kann ich hier Entwarnung geben, denn für viele Betriebssysteme gibt es Reader-Applikationen, die ihre Daten mit FeedBin abgleichen können. Unter iOS gibt es z.B. Reeder und Mr. Reader, für Android Press und Deer Reader. Auch auf dem Desktop lässt sich FeedBin in einer App nutzen: Unter OS X z.B. mit ReadKit, unter Windows mit MetroReader und für Windows 8/RT gibt es die App Tafiti.


Das ist lediglich eine Auswahl aus dem Pool an unterstützenden Apps, jedoch fehlt ein Betriebssystem völlig: Windows Phone! Nextgen Reader, der wohl beste Feed-Reader für das Microsoft-OS (und auch Windows 8/RT) unterstützt FeedBin (noch?) nicht und auch sonst gibt es aktuell keine alternative App, die für FeedBin geeignet ist. Zumindest für diese Nutzer ist dieser Reader-Dienst damit nicht nutzbar und auch mich ärgert das sehr, da ich gerne und oft Windows Phone nutze und dort auch meine Feeds abrufen möchte.

Mein Fazit: Gut, aber nicht für jedermann

Feedbin macht zunächst einen sehr zugänglichen Eindruck und ist optisch durchaus gelungen, weil zurückhaltend. Nach dem ersten Blick kommen jedoch einige Eigenheiten hervor, die FeedBin meiner Meinung nach zu einem recht speziellen Feed-Reader machen, wie z.B. das manuelle Pflegen der Sharings.

Ich persönlich habe mich dazu entschieden, nicht vollständig zu FeedBin zu wechseln, sondern (zumindest vorerst) bei Feedly zu bleiben. Mir gefällt die optisch “eindrucksvollere” Aufmachung, vor allem aber gewährt Feedly durch die feste Zeilenlänge ein ungleich besseres Lesegefühl, wie ich finde. Dazu kommt dann auch, dass FeedBin nicht in einer App unter Windows Phone genutzt werden kann. Feedly ist da um einiges verbreiteter, sodass man bereits heute eine doch schon recht üppige Auswahl an Clients hat.

Wer sich daran nicht stört, wird allerdings einen wirklich flotten Feed-Reader bekommen, der abseits von Windows Phone bereits über eine gute Unterstützung durch 3rd-Party-Apps verfügt und zuverlässig funktioniert. Diese Nutzer werden dann garantiert zufrieden mit FeedBin sein, denn schlecht ist der Dienst beileibe nicht, er ist eben nur nicht für jedermann – mich eingeschlossen.

FeedBin.me

  • http://www.mobiflip.de/ René Hesse

    Danke, werde Abstand nehmen. :)

  • Joerg Hof

    Bei mir hat feedly immer wieder für ca zwei Tage die Feeds nicht synchronisert. Ich daraufhin zu FeedBin gewechselt, da dieser von einigen Clients unterstützt wird, die ich schon zuvor mit Feedly bzw. dem GoogleReader nutzte (Press, Mr. Reader). Dass ich dafür was zahle, ist für mich in Ordnung. Ich habe das Jahresabo für umgerechnet ca. 22 Euro gewählt, das ist in Ordnung, finde ich. Die “Eigenheiten” von FeedBin, die Charles beschreibt bestehen, ich denke aber, dass sich da auch noch Verbesserungen ergeben. Einen Feedreader, der tagelang nicht richtig synchronisert, kann ich jedenfalls gar nicht gebrauchen. Seitens feedly gibt es zu diesen Problemen auch keine Reaktion. Als es kurz nach meinem Wechsel zu einem Serverproblem bei FeedBin kam, wurde das sofort auf Twitter mitgeteilt und war in kurzer Zeit behoben und man wurde von FeedBin auf dem Laufenden gehalten. So sollte das sein.

    Feedly hat den Vorteil, dass es zeitlich vor allen anderen Anbietern war und Produkte für alle Plattformen bietet. Aber feedly ist noch nicht soweit voraus, dass sich das nicht noch ändern könnte und sie sich auf den bisherigen Nutzerzahlen ausruhen können.

  • http://netzexil.de/ Horst Schulte

    Feedly macht im Moment wirklich noch wenig Freude. Aber ich warte noch ein bisschen. Solange nutze ich den Digg Reader.

  • plantoschka

    Benutze seit dem Google Reader auch Feedbin und bin sehr glücklich damit. Für einen guten Service, zahle ich auch gerne ein paar $ im Monat.

  • juliansch

    Bin bei Feedly und Feedbin gewesen. Richtig überzeugt hat mich erst RSSly, da die Feeds schnell aktualisiert werden und es u.a. auf TT-RSS basiert und somit einiges an Features bietet.

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