Carbon für Android veröffentlicht: Meine Meinung zum neuen Twitter-Client

Im Verlaufe des gestrigen Abends haben die Entwickler von dots & lines nach über einem Jahr Entwicklungszeit endlich den Twitter-Client Carbon für Android veröffentlicht. Es gab mehrere komplette Neustarts der Entwicklung, weswegen sich die Veröffentlichung immer weiter herauszögerte, was wiederum zu immer mehr Unkenrufen führte. Jetzt aber ist die App endlich im Play Store zu haben, die Unkenrufe jedoch bleiben. Was aber halte ich vom ursprünglich revolutionären Client? Nach meinem ersten kurzen Eindruck im Beitrag bei mobiFlip.de gibt es hier meine detailliertere Schlussfolgerung.
Das Erste, was nach der Installation auffällt, ist natürlich die Optik. Die unterscheidet sich stark von der anderer Twitter-Clients und das in mehr als positiver Art und Weise: Die Tweets sind übersichtlich und strukturiert angeordnet, die Trennung zwischen den einzelnen Meldungen klar. Getwitterte Bilder werden äußerst hübsch per Inline-Preview dargestellt. Alles sieht sehr modern und dementsprechend minimalistisch aus, ohne aber wie jede andere 08/15-App zu wirken.

Auch die Usability der App überzeugt. Die untere Action Bar beherbergt lediglich drei Buttons zum Absetzen neuer Tweets, zur Profilansicht und den obligatorischen Menü-Button – Minimalismus pur, keine zig Buttons, die dort eingequetscht platziert sind. Zwischen den drei Spalten kann man per Wischgeste wechseln. Man sollte meinen, dass das heutzutage Usus ist, allerdings beweist Falcon Pro beispielsweise das Gegenteil, aber dazu kommen wir noch. Wirklich großartig ist übrigens die Geste, mit der man an die Spitze der jeweiligen Timeline springt: Hierfür benötigt es keinen Tap auf den Titel der Spalte – es genügt eine Wischgeste mit zwei Fingern von oben nach unten. Das ist intuitiv, hervorragend gelöst und ich frage mich, wieso das nicht vorher schon in einer anderen App so eingebaut wurde.

Die Implementation mehrerer Nutzer ist hervorragend gelungen. Zum Wechseln des aktiven Nutzers wischt man einfach von links nach rechts. Anschließend werden die eingebundenen Twitter-Accounts mit großen Profilbildern angezeigt. Auch beim Absetzen neuer Tweets kann man immer zwischen den Nutzern wechseln, da diese im Compose-Bildschirm ebenfalls über die Profilbilder eingeblendet werden.

Ebenso auffällig, wie die oben angesprochene Optik, sind natürlich auch die Animationen. Die wirken frisch, herrlich modern und laufen unglaublich flüssig, genauso wie das Scrollen in der Timeline. Das Navigieren macht so eine Menge Spaß, was das Gesamterlebnis “Twitter” um einiges eindrucksvoller macht. Das geht beim Wechseln zwischen Spalten los und endet in einer großartigen Animation, wenn man Konversationen einblendet. Was Carbon ebenfalls toll in Szene setzt, ist die Einblendung von Favoriten, Listen, Filtern und Trending Topics: Werden diese eingeblendet, lassen sie sich per Wischgeste einfach wieder ausblenden. Die Animation: Sahne!

Natürlich ist Carbon nicht frei von Mängeln. Einige Nutzer dürften sich daran stören, dass es keine Tablet-Optimierung gibt und die Einstellungen geben bisher auch nur die Nutzerverwaltung mitsamt Konfiguration von Benachrichtigungen her. Hier würde ich mir persönlich TweetMarker-Support und konfigurierbare Aktualisierungsintervalle wünschen. Auch ein interner Browser fehlt, was ich persönlich jedoch schlimm finde, da ich die in keiner Twitter-App verwende.
Alles in allem ist Carbon für mich die Twitter-App, die ich mir erhofft habe. Zuletzt habe ich widerwillig alleine wegen der Performance und der überdurchschnittichen Optik Falcon Pro genutzt, obwohl mich die Bedienung in den Wahnsinn getrieben hat, wie ich es bereits in einem Beitrag beschrieben habe. Carbon allerdings macht das alles besser: Die Optik ist unvergleichbar, die Performance auf einer Stufe mit der von Falcon Pro und die generelle Bedienung ist nicht gezwungen innovativ, sondern konventionell, bewährt und funktionell.

Zu Carbon und den aktuellen Unkenrufen muss ich darüber hinaus noch ein paar letzte Worte schreiben: Alle paar Minuten liest man davon, dass Carbon zwar gut aussehe, aber nicht funktionell sei. Meiner Meinung nach sind diese beiden Aussagen komplett konträr zueinander, schließlich gehört eine gute Optik und ein gutes generelles Design zu einer guten Funktionalität dazu und ist genauso wichtig, wie die implementierten Funktionen! Ich persönlich finde sogar, dass der “Mangel” an Funktionen eher gut, als schlecht ist. Bei Carbon hat man sich aufs Wesentliche besonnen und keine Features eingebaut, die man nicht aller Wahrscheinlichkeit nach nicht benötigen wird. Carbon geht eine Art Mittelweg und der ist richtig. Ein großer Teil der angesprochenen Unkenrufe passiert schlichtweg nur des Unkens wegen. Darüber sollten einige Nutzer mal nachdenken.

Die App wurde nicht im Store gefunden. :-( #wpappbox
  • http://twitter.com/_T1t0_ Tito

    Signed. Allerding funzt bei mir die viertelstündliche Aktualisierung nicht wirklich. Gerade drauf gesehen, letzte Aktualisierung vor drei Stunden.

  • fixxel_52

    Vor allem: Das Ding ist verdammt schnell! Allerdings fehlt mir die Möglichkeit Listen als Spalte hinzuzufügen.

  • http://twitter.com/maschaper Mario Schaper

    mir als “mini-User” (der nur einen Account hat und zu 3/4 nur auf seinem Smartphone Twitter liest (die restliche Zeit dann Tablet)) fehlen nur folgende Features:

    – ein Tweet mit anderen Apps teilen ist zu umständlich – ich hätte das gern in der long-press Option

    – Tweetmarker wäre schön

    – ich sehe gern die Uhrzeit des Tweets und nicht wann der geschrieben wurde

    alles andere ist Top und ich bin mir echt am überlegen, Falcon nach nur ein paar Stunden zu deinstallieren

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