Ubuntu 12.10 Quantal Quetzal erschienen: Neue Funktionen, Amazon, Probleme und langsameres System

Vor zwei Tagen hat Canonical nun also endlich die neue Ubuntu-Version 12.10 Quantal Quetzal veröffentlicht, die bereits im Vorfeld für einigen Wirbel sorgten, was vor allem an der Einbindung von Amazon im Unity-Dashboard liegt. Auch abseits dessen sind einige neue Funktionen dazugekommen, sodass ich selbst das Update gestern erwartungsvoll durchgeführt habe und auf den Boden der Tatsachen geschmettert wurde, aber dazu gleich mehr.

Erstmal zu den neuen Funktionen: Web-Apps, z.B. Gmail, Simplenote, Twitter und Co. lassen sich direkt an den Launcher anpinnen, von wo aus man diese dann schneller starten kann. Canonical nennt dieses Feature griffig “Unity Web Apps”. Die Unity-Oberfläche wurde darüber hinaus weiter überarbeitet und bietet neue Effekte und auch Previews im Dashboard. Per Rechtsklick auf eine Datei oder eine Anwendung kann man so weitergehende Informationen einsehen. Ebenfalls neu sind die “Online-Accounts”. Damit lassen sich die Benutzerkonten bei Google, Facebook, Twitter, Flickr, Microsoft Live, AIM, Salut, identi.ca, Yahoo und Jabber ins System einbinden, sodass Anwendungen auf diese Daten zugreifen können (Gwibber erkennt dann z.B. das angemeldete Twitter-Konto und stellt dessen Timeline in der App dar) und auch die Dashboard-Suche profitiert davon, da man dann z.B. auch nach Picasa-Bildern oder Google-Drive-Dateien suchen kann.

Den angesprochenen Wirbel erzeugte Canonical durch die Amazon-Einbindung ins System. Sucht man im Dashboard, so werden neben Dateien, Anwendungen etc. auch passende Amazon-Produkte angezeigt (siehe Screenshot oben). Kauft man von dort aus dann etwas ein, bekommt Canonical eine entsprechende Provision. Der Druck der Community hat die Entwickler dann dazu veranlasst, einen Off-Switch zu implementieren, womit man die Amazon-Integration komplett deaktivieren kann und auch XXX-Filter und eine Privacy Policy wurden integriert, da es bzgl. letzterem Bedenken wegen der Sicherheit der Daten gab. Ich persönlich werde das Feature übrigens aktiviert lassen. Ich kaufe generell z.B. gerne über die Amazon-Partnerlinks von Bloggern ein, um diese einfach auch mal zu unterstützen.

Die neuen Features hören sich also soweit ganz nett an. Gestern Abend habe ich dann das Update von 12.04 LTS auf 12.10, wie üblich angestoßen. Wer die Aktualisierung ebenfalls über das die Updatefunktion des Systems ausführen will, sollte übrigens darauf achten, dass in in der Aktualisierungsverwaltung unter “Einstellungen” nach “allen neuen Versionen” gesucht wird und nicht nur nach LTS-Versionen.

Nach dem etwa anderthalb Stunden andauernden Update-Prozess war dieses dann durchgeführt, nach dem Systemneustart allerdings konnte ich mich nicht mehr mit meinem Benutzerkonto anmelden. Es ging schlicht und ergreifend nicht mehr. Der Zugang über das vordefinierte Gastkonto allerdings funktionierte problemlos. Ich habe keine Ahnung, was daran Schuld ist, oder wie genau man das behebt. Mir kam dann der Gedanke, Ubuntu einfach neu aufzusetzen, was ich sowieso schon länger machen wollte, da meine Installation recht langsam geworden ist und schlicht vermüllte. Nach der Neuinstallation funktioniert Ubuntu 12.10 dann erwartungsgemäß problemlos bei mir.

Etwas, das mir allerdings missfällt, ist die Tatsache, dass Ubuntu mit der neuen Version langsamer geworden ist. Alles benötigt einen Tacken länger, als vorher schon und das bei einer frischen Installation. Auf meinem Notebook mit 1,5 GB RAM und einem Intel Centrino Dual-Core-Prozessor ist das schon mehr oder minder verherend. Vorher hat es Ubuntu geschafft, dass mir das Arbeiten auch an diesem alten Gerät noch Spaß machte. Das ist aktuell nicht mehr der Fall. Durch die nachträgliche Installation von GNOME 3.6 konnte ich dem Ganzen recht gut entgegenwirken (Unity ist also, mal wieder, die maßgebende Bremse), aber dennoch ist das System in einigen Punkten immer noch zäher, als zuvor. Mal schauen, ob sich mein Eindruck auf längere Sicht hin noch ein wenig verbessert.
Für die Installation von Ubuntu gibt es übrigens natürlich mehrere Wege. Entweder erfolgt die ganz klassisch über den Download der ISO-Datei, die man dann auf eine CD brennt und anschließend installiert, oder man benutzt den Universal USB Installer von Pen Drive, mit dem man ganz einfach einen bootbaren USB-Stick erstellen kann. In der Ubuntu-ISO ist darüber hinaus auch noch die WUBI-Methode enthalten, mit dem man Ubuntu ganz einfach und sicher unter Windows innerhalb eines eigenen Containers installieren kann, was in der Vergangenheit bei mir immer vollkommen problemlos funktionierte. Wer Ubuntu 12.10 nur testen und nicht fest installieren will, kann sich dann ja auch noch für die Nutzung innerhalb einer virtuellen Maschine entscheiden. Ich selbst habe Ubuntu 12.10 über einen USB-Stick installiert und keine Probleme feststellen können.

Wie ist euer Eindruck von Ubuntu 12.10? Ist das System bei euch auch spürbar langsamer geworden? Was sagt ihr zu den neuen Features und der Amazon-Integration?

Ubuntu 12.10 Download

Geschrieben von

Gründer des Blogs, vielseitiger Tech-Geek mit einer Schwäche für Apps und Software. Nutzt sowohl Android, iOS, Windows Phone und Windows 8. Auch bei noisiv.de und an den Wochenenden bei mobiFlip.de als Blogger tätig. Dazu auch bei Twitter und zu finden.

  • http://picomol.de/ Valentin

    Ich persönlich habe mit Aktualisierungen immer sehr schlechte Erfahrungen gemacht. Von anderen Nutzern hingegen höre ich auf der anderen Seite, dass diese etliche Versionen lang immer Aktualisierungen durchgeführt haben.

    Es scheint wohl sehr stark davon abzuhängen, wie viel am System (ver/ge)bastelt wurde. Ein halbwegs unveränderts Standardsystem wird wahrscheinlich problemlos funktionieren. Kommen ein paar PPAs hinzu, kann’s kritisch werden.

    • http://CocasBlog.de Coca

      Das würde auch bei mir hinkommen. Ich probiere auf meinem Linux-Notebook immer sehr gerne neue Dinge aus (z.B. für das Blog) und da braucht es dann ja natürlich auch die entsprechenden PPAs. Mein Update von 11.10 auf 12.04 hatte damals noch problemlos funktioniert. Da war die Installation wohl noch nicht kaputt gebastelt…

  • http://mikespeier.cwsurf.de/wordpress/ TmoWizard

    Hallo Coca,

    mein derzeitiges System wurde seit Maverick eigentlich immer nur per Upgrade auf den neuesten Stand gebracht. Das funktionierte mit älteren Versionen meistens nicht, da ich sehr viele PPAs eingebunden habe. Seit Maverick hatte ich damit aber keine Probleme mehr, werde allerdings nicht auf Quantal umsteigen.

    Übrigens habe ich bis jetzt nichts davon bemerkt, daß mein System durch Updates langsamer geworden ist. Scheint wohl ziemlich stark vom verwendeten Rechner abhängig zu sein, mein Dual-Core läuft jedenfalls sehr flott!

    Ich habe mich jetzt entschlossen, daß ich nur noch die LTS-Versionen verwende. Auf meinem Server ist das ja eh schon der Fall, hier auf dem Desktop bleibe ich jetzt auch dabei. In meinem Bekanntenkreis habe ich bei den Rechnern, die ich betreue und die Kubuntu verwenden ebenfalls alles so eingestellt, daß nur noch die LTS-Versionen installiert werden. Für einfache Anwender reicht das ja auch.

    Zu WUBI möchte ich nur sagen, daß man davon besser die Finger lassen sollte. Diese Container-Installation ist zum vernünftigen Arbeiten einfach zu langsam, das genügt gerade mal so zum Testen und reinschnuppern.

    Grüße aus TmoWizard’s Castle zu Augsburg

    Mike, TmoWizard

    • http://CocasBlog.de Coca

      Mein System lief nach dem Update auf 12.04 auch immer noch astrein. Mit 12.10 allerdings merke ich, dass es zäher ist. Liest man auch vermehrt im Web. Das ist schade, denn ansonsten macht 12.10 inzwischen einen guten Eindruck bei mir.

      Ich habe auch mal darüber nachgedacht, ob ich zukünftig nur noch LTS-Versionen nutzen will, allerdings kann ich das nicht mit meiner Blogger-Seele vereinbaren. Ich will immer das neue nutzen und darüber auch schreiben können. :D

      WUBI hat bei mir immer absolut problemlos und auch performant funktioniert. Das war kein Vergleich zu einer VM. Allerdings würde ich damit definitiv auch nicht produktiv arbeiten wollen. Sehe es, wie Du, eher als bessere Möglichkeit zum Testen an, weil die Installation und Deinstallation des Systems darüber so simpel ist. Zum täglichen Nutzen ziehe ich ebenfalls eine feste Installation auf einer eigenen Partition vor.

  • Manox

    Schön mal ein paar kleine Eckpunkte über die neue Ubuntu Version zu lesen.
    Bezüglich Linux bin ich total der Anfänger und habe immer angst wenn ich es zusätzlich noch auf meinem Laptop mit installiere das mein Windows dann nicht mehr läuft.
    Über WUBI habe ich die letzten Tage viel gelesen und werde dies wohl mal ausprobieren soll ja nach Deinstallation nichts mehr da sein wie bei einem Programm.

    • http://CocasBlog.de Coca

      Das hast Du richtig gelesen. Deinstallierst Du die WUBI-Installation von Ubuntu, ist am Ende nichts mehr übrig vom System (außer vielleicht ein paar Registry-Einträge im Windows?). Gerade deshalb eignet sich WUBI auch super zum Ausprobieren. Wie ich bereits Mike geschrieben habe, hatte ich in der Vergangenheit nie Probleme mit WUBI, weswegen ich die Installation darüber zu Testzwecken auch immer wieder gerne empfehle. :)

  • Tobias

    An 12.10 ist ja die Full Disk Encryption im Wizard neu, aber was die Performance anbelangt ist das ein echter Scherz. Trotz AES-NI aktivierter CPU schaffe ich beim Kopieren von unverschlüsselten internen Festplatten auf die DMCRYPT gesichterte Festplatte gerade mal 8MB/sec. Und ich dachte schon mein SuSE 11.4 mit 35 MB sei langsam.