Im digitalen Off – Ein Erlebnisbericht

Deichbrand 01

Vielleicht habt ihr es ja mitbekommen, dass ich zuletzt im Urlaub war – davon hatte ich ja z.B. in meinem Artikel zum zweiten Blog-Geburtstag kurz geschrieben. Es ging in die altbekannte Heimat. Anderthalb Wochen Abstand vom stressigen Alltag mitsamt Blog-Pause (abgesehen vom Lumia 900 Review, das ich während der Zeit angefertigt habe), sowie viertägigem Urlaub im Urlaub beim Deichbrand-Festival.

So viel also zu den Rahmenbedingungen. Speziell soll es hier um das Festival gehen, denn während der Tage davor war ich ja auch oft genug online – Internet-Tethering vom Smartphone sei Dank (mein Vater hat nämlich keinen festen Internetanschluss mangels fehlender Nutzung).

Nun waren beim Deichbrand rund 25.000 Leute am Feiern, Trinken, Zelten, Ausnüchtern, Abrocken und was man dort noch so alles macht. Zudem sind die mobilen Netze dort nicht die Allerbesten, da das Ganze in der pampigsten Pampa stattfindet, die man sich im Norden wohl vorstellen kann. Was war also die Konsequenz? Richtig, mobiles Internet überall – nur eben nicht beim Deichbrand. Es ging gar nichts, wirklich keine Anfrage kam während des Festivals durch.

Für einen Internet-Süchtling hört sich das im ersten Moment wie ein Weltuntergang an und genau das war es für mich zunächst auch. Ich fühlte mich abgekapselt von der Außenwelt, irgendwie alleingelassen von meinem Provider inmitten 25.000 umherwütender Festivalisten, Bands und gefühlt genauso viel Bier und ich glaube, dass ich nicht der Einzige war bzw. wäre, wenn dies eintreten würde. Es war das genannte “digitale Off”. Jetzt jedoch kommt das “aber”.

Deichbrand 02

Lässt man sich auf diese Umstände ein und besinnt sich auf das hier und jetzt, ist es ein unglaublich befreiendes Gefühl. Endlich mal das Leben genießen. Endlich mal Spaß mit den Freunden haben, die viel zu weit weg wohnen. Endlich mal Zeit dafür haben, Abends nach der Party einfach nur im Campingstuhl zu sitzen und über das Leben und alles andere nachzudenken, in sich zu gehen. Auch mal die Seele baumeln lassen. Alles Dinge, die für mich nicht selbstverständlich sind – schon gar nicht im Alltag. Ich habe das Internet und alles dazugehörige einfach komplett vergessen.

Für viele mag das nichts besonderes sein – etwas, das man achselzuckend schlicht hinnimmt und beim nächsten Bier komplett vergisst. Für mich aber was es was bemerkenswertes. Bemerkenswert wahrscheinlich deswegen, weil ich es einfach nicht kannte bzw. nie bewusst in dieser Form erlebt habe. Im “normalen Leben” arbeite ich eben meine acht Stunden im Unternehmen und blogge mich anschließend noch um den Verstand, sobald ich zu Hause bin. All das, weil ich es liebe das zu tun, was ich tue, weil ich lieber immer etwas mache, statt nichtstuend auf der Couch zu vergammeln und auch, weil ich es schätze, das tun zu können, was ich wirklich will – zumal das heutzutage beileibe keine Selbstverständlichkeit mehr ist. Gerade.

Trotzdem, oder gerade deswegen, ist dieses “Off-sein” ein schönes Gefühl. Sich einfach mal den Luxus zu gönnen, das Data-Toggle am Smartphone zu deaktivieren. Einfach den Luxus erleben, das Leben an sich vorbeiziehen zu lassen, wie es die Wolken am Himmel tun, die an einem vorbeiziehen. Das ist Luxus für mich und ich habe gelernt, das zu schätzen und bewusst zu erleben, anstatt es nur unbewusst durchzumachen.

Ich persönlich fühle mich jetzt um einiges besser, als vorher und freue mich noch mehr darauf, wieder in meinem Alltag zurückzukehren. Genau das ist das Resultat, welches ich mir bereits erhoffte, als ich besagtes “Off” realisierte und es trat ein. Wir sollten uns wohl alle mal ein bisschen mehr Offline gönnen, glaube ich.

Geschrieben von

Gründer des Blogs, vielseitiger Tech-Geek mit einer Schwäche für Apps und Software. Nutzt sowohl Android, iOS, Windows Phone und Windows 8. Auch bei noisiv.de und an den Wochenenden bei mobiFlip.de als Blogger tätig. Dazu auch bei Twitter und zu finden.

  • http://www.ienno.de Enno

    Ich hatte es ja beim #BTK12 schon angekündigt, wollte ja hier auch noch was zu sagen.

    Es ist sehr eigenartig und ich ich glaube es geht nicht nur mir so. Man neigt dazu vieles, worauf man im Internet stößt, schnell überzustrapazieren. Dadurch wird Spaß manchmal zur Arbeit. Beispiele? RSS-Feeds, Twitter, Bloggen.

    In dem Moment, wo man alles kennenlernt, ist es shiny shiny und sooooo cool. Man ist aber irgendwann so derbe hinterher und will krampfhaft dranbleiben, dass man die Tätigkeit (twittern, Feeds lesen, bloggen) vor den eigentlich Zweck stellt: dem Spaß dahinter.

    Wie gesagt, keine Ahnung das ob nur mir so geht. Aber in stressigen Phasen versuche ich meine Aktivität bei den genannten 3 Feldern aufrecht zu erhalten. Und das kann schnell in zusätzlichem Stress ausarten.

    Eine digitale Auszeit, wie du sie beschreibst, hilft immer etwas, sich darüber klar zu werden, was jetzt eigentlich wichtig ist und wozu man tut, was man tut. Generell kann selten schaden, das eigene Tun mit etwas Abstand zu betrachten. Den Blick entfernen um ihn zu schärfen.

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